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rs2322tcp
rs2322tcp ermöglicht die transparente Übertragung von RS232-Daten über
TCP/IP.
Das Projekt ist für den Einsatz geeignet, bei dem eine vorhandene Software eine serielle Schnittstelle erwartet, das zugehörige Gerät sich jedoch an einem entfernten Standort befindet.
Ziel
Auf der Client-Seite soll vorhandene Hersteller-Software eine normale serielle Schnittstelle vorfinden.
Die Daten werden vom rs2322tcp-client über TCP an einen entfernten
rs2322tcp-server übertragen. Der Server verbindet die
Netzwerkverbindung mit einer realen seriellen Schnittstelle.
Damit sollen weder die vorhandene Software auf dem Client noch die angeschlossenen Geräte auf der Remote-Seite erkennen müssen, dass die Verbindung über ein Netzwerk erfolgt.
Typische Anwendungen sind beispielsweise:
- Funkgeräte mit CAT-Steuerung
- Antennenrotoren mit herstellerspezifischen seriellen Protokollen
- andere Geräte, die über RS232 gesteuert werden
Architektur
Client-PC Raspberry Pi 5
───────────────── ─────────────────
Hersteller-Software rs2322tcp-server
│ │
│ virtuelle │
│ serielle Schnittstelle │
▼ │
rs2322tcp-client │
│ │
└──────────── TCP/IP ──────────────────┘
│
┌──────────┴──────────┐
│ │
USB-to-RS232 USB-to-RS232
│ │
Funkgerät Rotor
Aktueller Server-Datenpfad
Die serverseitige TCP-/RS232-Verbindung ist implementiert:
TCP-Control
│
▼
Session
│
├── Gerät 1 ──► dynamischer Data-Port
│ │
│ ▼
│ TCP Data
│ │
│ ▼
│ Serial Layer
│ │
│ ▼
│ RS232
│
└── Gerät 2 ──► dynamischer Data-Port
Die serielle Schnittstelle wird erst geöffnet, wenn ein Client tatsächlich eine Data-Verbindung zum entsprechenden dynamischen TCP-Port aufbaut.
Pro konfiguriertem Gerät ist nur eine aktive Data-Verbindung vorgesehen.
Die Datenübertragung erfolgt bidirektional:
TCP ───────────────► RS232
TCP ◄────────────── RS232
Client
Der Client soll gleichberechtigt unter folgenden Betriebssystemen eingesetzt werden können:
- Windows
- Linux
Die plattformspezifische Bereitstellung der virtuellen seriellen Schnittstelle wird vom gemeinsamen Client-Kern getrennt.
Unter Linux ist die virtuelle serielle Schnittstelle inzwischen über
einen direkt aus Go erzeugten PTY implementiert. Die Implementierung
verwendet /dev/ptmx und stellt den zugehörigen PTY-Slave unter
/dev/pts/N bereit.
Die PTY-Schnittstelle wird im Raw Mode betrieben. Dadurch werden die übertragenen Daten als transparenter Byte-Strom behandelt.
Die allgemeine Client-Logik verwendet dafür die Abstraktion
VirtualSerial. Die Linux-spezifische Implementierung ist von dieser
Abstraktion getrennt.
Für die PTY-Funktion ist keine externe Laufzeitabhängigkeit wie socat
erforderlich.
Server
Der Server ist zunächst für den Betrieb auf einem Raspberry Pi 5 vorgesehen.
Mehrere USB-to-RS232-Adapter können angeschlossen werden. Anzahl, Bezeichnung und serielle Parameter der Anschlüsse werden über eine Konfigurationsdatei festgelegt.
Die serverseitige Serial-Kommunikation verwendet go.bug.st/serial.
Serielle Schnittstelle
Für die Ansteuerung der seriellen Schnittstellen wird derzeit verwendet:
go.bug.st/serial v1.7.1
Die Bibliothek wurde zusätzlich auf dem privaten Git-Server des Projektes gespiegelt, um bei einem Ausfall des ursprünglichen Anbieters weiterhin auf den verwendeten Quellstand zugreifen zu können:
git.lang-dieter.de/third-party/go-serial
Die verwendete Version v1.7.1 ist auf dem Backup-Repository
einschließlich Git-Tag vorhanden.
Netzwerk
Für die Übertragung der RS232-Daten wird TCP verwendet.
Die beteiligten Systeme werden zunächst über ein vertrauenswürdiges Tailscale-Netz verbunden.
Eine zusätzliche TLS-Verschlüsselung ist deshalb derzeit nicht vorgesehen.
Für eine spätere Übertragung von Audio-Daten ist ein separates Netzwerk-/Transportkonzept vorgesehen. Hierfür soll UDP verwendet bzw. untersucht werden.
Konfiguration
Client und Server erhalten jeweils eine eigene JSON-Konfiguration.
Über die Konfiguration werden unter anderem festgelegt:
- Netzwerkparameter
- serielle Schnittstelle
- Baudrate
- Datenbits
- Parität
- Stopbits
- Bezeichnung des Gerätes
- weitere für die jeweilige Schnittstelle erforderliche Parameter
Die konkrete Konfigurationsstruktur befindet sich in der Entwicklung.
Diagnose und Logging
Für Debugging und Diagnose soll eine Protokollierung des übertragenen Datenverkehrs möglich sein.
Insbesondere soll eine Darstellung der übertragenen Bytes möglich sein, um Probleme bei der Kommunikation zwischen Hersteller-Software und Gerät analysieren zu können.
Während der Entwicklung kann socat als zusätzliches Werkzeug für Tests
und Diagnose eingesetzt werden.
Hardwaretest mit SPID Rot2Prog
Für den praktischen Hardwaretest wurde ein SPID Rot2Prog als Antennenrotor über einen FT232R USB-to-RS232-Adapter angeschlossen.
Unter Linux wurde der Adapter als:
/dev/ttyUSB0
erkannt.
Der Rot2Prog verwendet für die RS232-Kommunikation:
600 Baud
8 Datenbits
keine Parität
1 Stopbit
also:
600 8N1
Rotor einschalten
Vor dem Kommunikationstest muss der SPID-Rot2Prog eingeschaltet sein.
Der Controller muss für die serielle Steuerung im SPID-/Auto-Betrieb betrieben werden.
Der Zustand des Controllers kann über die vorhandenen Bedientasten und die LED-Anzeigen kontrolliert werden.
Direkter Hardwaretest
Der serielle Port kann zunächst unabhängig von rs2322tcp getestet
werden:
stty -F /dev/ttyUSB0 600 cs8 -cstopb -parenb raw -echo
Kontrolle:
stty -F /dev/ttyUSB0
Anschließend kann die serielle Antwort des Controllers beobachtet werden:
cat /dev/ttyUSB0 | xxd -g 1
Eine Statusabfrage kann beispielsweise mit folgendem Paket gesendet werden:
printf '\x57\x00\x00\x00\x00\x00\x00\x00\x00\x00\x00\x1f\x20' > /dev/ttyUSB0
Bei erfolgreicher Kommunikation antwortet der Rot2Prog mit einem 12-Byte-Datenpaket.
Test über rs2322tcp
Nach erfolgreichem direkten Hardwaretest wird der reale serielle Port im Server konfiguriert:
Rotor:
/dev/ttyUSB0
600 Baud
8 Datenbits
keine Parität
1 Stopbit
Der Client stellt dem Anwender dafür den virtuellen Port:
/dev/ttyUSB101
zur Verfügung.
Die gleiche Statusabfrage kann anschließend über den vollständigen rs2322tcp-Datenpfad gesendet werden:
printf '\x57\x00\x00\x00\x00\x00\x00\x00\x00\x00\x1f\x20' > /dev/ttyUSB101
Der Datenweg ist dann:
/dev/ttyUSB101
│
▼
rs2322tcp-client
│
│ TCP
▼
rs2322tcp-server
│
▼
/dev/ttyUSB0
│
│ 600 Baud / 8N1
▼
SPID Rot2Prog
│
│ Antwort
▼
rs2322tcp-server
│
│ TCP
▼
rs2322tcp-client
│
▼
/dev/ttyUSB101
Damit kann die Antwort des Rotors wieder über den virtuellen seriellen Port gelesen werden.
Ein erfolgreich beobachteter Antwort-Datenstrom war:
57 03 06 05 0C 01 03 06 02 0F 01 20
Damit wurde die bidirektionale Übertragung zwischen dem virtuellen seriellen Port des Clients und dem realen SPID-Rot2Prog über TCP erfolgreich nachgewiesen.
Manuelle Einrichtung der virtuellen seriellen Ports
Die virtuellen seriellen Ports werden vor dem Start des Clients manuell
eingerichtet. Dadurch muss der rs2322tcp-client selbst nicht als
root bzw. mit sudo laufen.
Zunächst das Verzeichnis für die internen virtuellen Links anlegen:
mkdir -p ~/.rs2322tcp/virtual
Anschließend werden die öffentlichen /dev/ttyUSBxxx-Links einmalig
mit administrativen Rechten angelegt:
sudo ln -s "$HOME/.rs2322tcp/virtual/ttyUSB100" /dev/ttyUSB100
sudo ln -s "$HOME/.rs2322tcp/virtual/ttyUSB101" /dev/ttyUSB101
Die Zuordnung ist:
/dev/ttyUSB100 -> ~/.rs2322tcp/virtual/ttyUSB100 -> PTY
/dev/ttyUSB101 -> ~/.rs2322tcp/virtual/ttyUSB101 -> PTY
Die äußeren Links unter /dev gehören dabei root. Das ist beabsichtigt.
Der Client selbst läuft anschließend als normaler Benutzer.
Die internen Links unter ~/.rs2322tcp/virtual/ werden vom Client auf die
jeweils verwendeten PTYs gesetzt.
Die beiden virtuellen Ports werden in der Client-Konfiguration den Geräten zugeordnet:
/dev/ttyUSB100 -> radio
/dev/ttyUSB101 -> rotor
Die manuelle Einrichtung muss nur erfolgen, wenn die /dev/ttyUSB100-
und /dev/ttyUSB101-Links noch nicht vorhanden sind.
Virtuelle serielle Schnittstelle unter Linux
Für den Linux-Client wird die virtuelle serielle Schnittstelle direkt über den Linux-PTY-Mechanismus erzeugt.
Dabei entsteht ein PTY-Paar:
/dev/ptmx
│
▼
PTY Master
│
↕
PTY Slave
│
▼
/dev/pts/N
Die externe Hersteller-Software arbeitet mit dem PTY-Slave /dev/pts/N.
Der rs2322tcp-client verwendet den PTY-Master und transportiert die
Bytes über TCP zum Server.
Die PTY-Implementierung arbeitet im Raw Mode und wurde mit einem
vollständigen Bytebereich von 0x00 bis 0xFF geprüft.
Dabei wurde die bidirektionale Übertragung aller 256 möglichen Bytewerte erfolgreich getestet.
Geräte-Simulator
Das Programm rs2322tcp-device-sim dient als Simulator für ein an der
seriellen Schnittstelle angeschlossenes Gerät.
Der Simulator ist bewusst als eigenständiges Programm ausgeführt. Der
rs2322tcp-server muss nicht wissen, ob am seriellen Port ein echtes
Gerät oder der Simulator angeschlossen ist.
Der Simulator kann:
- Daten von einer seriellen Schnittstelle oder einem Linux-PTY empfangen
- empfangene Rohdaten als Hexdump anzeigen
- beliebige Bytefolgen über eine interaktive Hex-Eingabe senden
- ungültige Hex-Eingaben erkennen
- als virtuelle serielle Gegenstelle für externe Software dienen
Beispiel:
go run ./cmd/rs2322tcp-device-sim -port /dev/pts/7
Zum Senden wird eine Hex-Folge eingegeben:
TX> 46 41 00 10 0D
Der Simulator überträgt diese fünf Bytes.
Empfangene Daten werden beispielsweise so angezeigt:
RX 5 Bytes
46 41 00 10 0D
Die Hex-Eingabe kann mit oder ohne Leerzeichen erfolgen:
46 41 00 10 0D
und:
464100100D
sind gleichwertig.
Auch Groß- und Kleinschreibung kann gemischt werden:
0a FF 01 b7
Ungültige Eingaben wie
GG
oder
4
werden erkannt und führen nicht zum Beenden des Simulators.
Der Simulator soll insbesondere auch als Sniffer dienen können, wenn externe Hersteller-Software untersucht werden soll. Dadurch lassen sich die von einer Software gesendeten seriellen Kommandos zunächst als Rohdaten beobachten.
Geplante bzw. mögliche Erweiterungen sind:
- automatische Geräteantworten
- Protokollsimulation
- Aufzeichnung und Wiedergabe von Datenströmen
PTY-Testprogramm
Für die Entwicklung existiert zusätzlich das separate Testprogramm:
~/rs2322tcp-pty-test
Es erzeugt unter Linux ein PTY, setzt den Slave in den Raw Mode und zeigt den Namen des Slave-Gerätes an.
Beispiel:
cd ~/rs2322tcp-pty-test
go run .
Ausgabe:
PTY Slave: /dev/pts/2
PTY ist im Raw Mode.
Warte auf Daten vom PTY-Slave ...
Mit Ctrl+C beenden.
Das Programm zeigt anschließend beliebige empfangene Bytes unmittelbar als Hexdump an.
Der Testaufbau ermöglicht damit Tests in beiden Richtungen:
Master → Slave
Slave → Master
und eignet sich auch als einfacher Beobachtungspunkt für den Datenstrom.
Sniffer-Funktion
Der Empfänger des Testaufbaus kann gleichzeitig als einfacher Sniffer verwendet werden.
Dadurch kann später auch externe Software angeschlossen werden, um zu beobachten, welche Kommandos diese Software tatsächlich über die serielle Schnittstelle versendet.
Besonders für die Entwicklung von Protokollen für Funkgeräte oder andere Hardware ist das hilfreich.
Der Sniffer verändert die empfangenen Daten nicht, sondern zeigt die empfangenen Bytes lediglich an.
Externe USB-to-Seriell-Adapter
Für den späteren praktischen Einsatz sind USB-to-Seriell-Adapter vorgesehen.
Unter Linux werden solche Adapter normalerweise als serielle Gerätedateien bereitgestellt, beispielsweise:
/dev/ttyUSB0
Die Kommunikation erfolgt über die normale serielle Schnittstelle des Betriebssystems und die vorhandene Serial-Abstraktion.
Das Projekt benötigt für die serielle Kommunikation keine direkte
libusb-Anbindung. Bei üblichen USB-to-Seriell-Adaptern, beispielsweise
mit FTDI-Chips, wird die serielle Schnittstelle über den Linux-Kernel-
Treiber bereitgestellt.
Eine spezielle Hardware-Anbindung über libusb ist für rs2322tcp
daher nicht vorgesehen.
Tests
Die wichtigsten Komponenten verfügen über automatisierte Tests.
Der aktuelle Stand wird unter anderem mit folgenden Befehlen geprüft:
go test ./...
und:
go test -race ./...
Der Race Detector wird eingesetzt, um Probleme bei der nebenläufigen Verarbeitung von Sessions, Data-Listenern, DataConnections und Client- Komponenten zu erkennen.
Die Linux-PTY-Komponente wurde mit einem vollständigen Bytebereich von
0x00 bis 0xFF geprüft.
Der Geräte-Simulator verfügt zusätzlich über automatisierte Tests für die Hex-Konvertierung und die Behandlung ungültiger Eingaben.
Für die Prüfung des Arbeitsbaums:
git diff --check
git status
Projektstruktur
rs2322tcp/
├── cmd/
│ ├── rs2322tcp-client/
│ ├── rs2322tcp-device-sim/
│ └── rs2322tcp-server/
├── configs/
├── docs/
├── internal/
│ ├── client/
│ ├── config/
│ ├── serial/
│ ├── server/
│ ├── transport/
│ └── version/
├── scripts/
│ └── build.sh
├── CHANGELOG.md
├── LICENSE
├── README.md
└── go.mod
Build
Der Build erfolgt über das zentrale Build-Skript:
./scripts/build.sh
Das Skript führt unter anderem folgende Schritte aus:
- Formatierung des Go-Quellcodes
- Ausführung der Tests
- Bereinigung der Go-Module
- Ermittlung der Git-Versionsinformationen
- Build der vorgesehenen Zielplattformen
- Einbettung der Versionsinformationen über den Go-Linker
- Erzeugung von SHA256-Prüfsummen
Aktuell werden folgende Builds erzeugt:
- Linux amd64 -- Client und Server
- Linux arm64 -- Server
- Linux armv7 -- Server
- Linux armv6 -- Server
Versionierung
Die Versionierung erfolgt über Git.
Die Git-Informationen werden beim Build in die Binärdateien eingebettet. Neben der Version werden unter anderem Build-Nummer, Commit und Build-Datum erfasst.
Release-Versionen werden über Git-Tags gekennzeichnet.
Aktueller Stand:
v0.0.1– erste Projektversionv0.0.2– Client-Control- und Data-Verbindungenv0.0.3– Linux-PTY-Unterstützung und Geräte-Simulatorv0.0.4– in Vorbereitung: interaktive TX-Funktion und automatisierte Tests des Geräte-Simulators
Entwicklungsstand
Das Projekt befindet sich weiterhin in der frühen Entwicklungsphase.
Implementiert und getestet sind derzeit:
- Server-Control-Verbindung
- Session-Verwaltung
- dynamische Data-Ports
- DataConnection
- bidirektionale TCP-/RS232-Datenübertragung
- Serial-Abstraktion
- Konfiguration der seriellen Parameter
- Client-Control-Verbindung
- Client-DataConnection
- Client-Integrationstests
- Linux-PTY-Abstraktion
- Linux-PTY im Raw Mode
- automatisierter bidirektionaler 256-Byte-PTY-Test
- nebenläufigkeitssichere Data-Listener
- Race-Detection
- eigenständiger Geräte-Simulator mit RX-Hexdump
- interaktive TX-Hex-Eingabe des Geräte-Simulators
- automatisierte Tests der Hex-Konvertierung
Noch nicht vollständig implementiert sind insbesondere:
- die vollständige Anbindung der virtuellen seriellen Schnittstelle an den produktiven Client-Anwendungsdatenpfad
- die Windows-Implementierung der virtuellen seriellen Schnittstelle
- automatische Geräteantworten und Protokollsimulation
Lizenz
GPL-3.0-or-later